Die wartende Feder
Lange Zeit hoffte ich darauf, im Wald einen ganz besonderen Fund zu machen. Ich hoffte auf eine Feder des Eichelhähers. Er gilt als Wächter des Waldes und trägt mit seinem markanten Gefieder ein unverwechselbares Kunstwerk der Vogelwelt. Sein raues Krächzen ist im Wald allgegenwärtig. Und doch ließ sich das Schicksal mit diesem Fund Zeit, denn oft sind es gerade die Dinge, nach denen man sucht, die am längsten auf sich warten lassen.
Umso größer war meine Überraschung, als ich sie schließlich entdeckte. Aufrecht steckte die Feder auf einem dicken, moosbewachsenen Pfosten am Wegrand. Für jeden sichtbar thronte sie dort im sanften Licht und im satten Grün des Frühlings.
Ist das möglich? Wie ist sie dorthin gelangt? Welche Geschichte hat diese Feder zu erzählen? Für mich als Fotograf wirkte diese Szenerie wie auf dem Serviertablett. Die Farben, das Licht und das weiche Bokeh fügten sich zu einem perfekten Moment.
Als ich am fotografieren war, hielt ich einen Augenblick lang inne und betrachtete das Motiv. In diesem Moment fühlte es sich nicht so an, als hätte ich die Feder gefunden, sondern vielmehr, als hätte sie auf mich gewartet.